Facebook 2018

Der Hashtag #Deletefacebook hat im Frühjahr 2018 für viel Furore gesorgt. So weit muss man meiner Meinung nach nicht gehen. Zumal das Geschäftsmodell von Facebook eigentlich im Jahr 2018 kein Geheimnis mehr sein sollte.

Nichtsdestotrotz habe ich die Debatte zum Anlass genommen, meinen Umgang mit Facebook nochmal genau unter die Lupe zu nehmen und an ein paar Stellschrauben zu drehen. Fakt ist nämlich auch, dass das Soziale Netzwerk trotz aller Vorteile ein enormer Zeitfresser ist. Wie nachhaltig sind Diskussionen, Likes, Videos, News etc. wirklich? Was genau gebe ich mit einer Reaktion oder einem Kommentar preis? Warum soll ich zu allem meinen Senf geben, zumal ohnehin alles in meiner „Filterbubble“ bleibt? Kann ich die Zeit nicht sinnvoller nutzen? All diese Überlegungen haben mich in meiner „Weniger ist Mehr“-Kampagne bestärkt und zwei Reaktionen ausgelöst:

  • Aufräumen
  • Nutzung für die Zukunft hinterfragen

Der erste Punkt hat erst mal dafür gesorgt, dass ich sämtliche Anbindungen wie sie von Cambridge Analytica missbraucht wurden, entfernt habe. Künftig gibt es wieder für jeden Dienst einen gesonderten Zugang, keinen Facebook Login (Ausnahmen bestätigen die Regel). Außerdem habe ich die meisten meiner Informationen auf Privat gesetzt. Berufliche Infos gibt es in meinem LinkedIn Netzwerk oder persönlich, Privates geht weder „Freunde“ noch Werbepartner von Facebook etwas an. Schließlich habe ich mir meine Freundesliste und das Aktivitätenprotokoll genauer angesehen. Freunde sammeln ist so eine Sache. Viele hat man mal hinzugefügt, einfach weil man mit ihnen zur Schule ging, studiert hat, im Verein miteinander zu tun hat usw. Aber müssen sie daher auf Dauer meine Facebookfreunde sein? Ich habe diese Frage für mich selbst mit „Nein“ beantwortet und eine ganz einfache Lösung gefunden. Mit wem ich die letzten zwei Jahre weder im echten, noch im digitalen Leben zu tun hatte, muss ich auch auf Facebook nicht befreundet sein. Listen hin oder her, für mich schafft einfaches „Entfreunden“ mehr Übersicht. Und wenn es was Dringendes gibt, ist man auch schnell wieder in Kontakt. Befreiend, das kann ich nur jedem empfehlen.

Was noch deutlich verstörender ist, ist der Blick ins Aktivitätenprotokoll. Trotz einiger Aufräumaktionen in der Vergangenheit ist da einiges zusammengekommen in den letzten Jahren. Faszinierend, wie man sich auf seine ganz persönliche kleine Zeitreise durch die Wochen und Monate begeben kann, wenn man seine Beiträge, Kommentare, aber auch schlichte Likes und Reaktionen nach und nach durchschaut. Man erkennt da schnell Muster, was einem wichtig ist. Und wenn ich die erkenne, erkennen Facebooks Algorithmen die ebenfalls. Auch wenn die für immer in Zuckerbergs Rechnungszentren gespeichert werden sind, ist es ein gutes Gefühl, sie zumindest im einsehbaren Protokoll zu entfernen. Hat mich sage und schreibe drei Tage gekostet, das nach uns nach zu bereinigen, sodass mein Profil nun wieder jungfräulich leer daherkommt.

Und damit noch ein paar Sätze zum künftigen Umgang mit Facebook. Ich nutze die Plattform noch immer zur Kommunikation mit beruflichen und privaten Kontakten. Außerdem habe ich gezielt und ausschließlich von einigen wenigen Seiten und Personen Beiträge und Nachrichten abonniert (Dass Facebook denkt, mir die Timeline mit Aktivitäten meiner Freunde füllen zu müssen, bestärkt mich eher noch in meiner Strategie). Den Großteil besorge ich mir durch meine im Beitrag „Feedly“ erwähnte Strategie, Seiten wieder direkt anzusteuern und in dem Fall auch den AdBlocker auszuschalten und somit Qualität zu belohnen. Zudem betreue ich natürlich beruflich auch noch ein paar Seiten. Der Rest findet hier auf meiner Seite statt, wo ich Herr im Haus bin. Da brauch ich auch keine Likes und Kommentare. Statt Facebook zu „konsumieren“ werde ich wieder mehr produzieren, und wenn therapeutische Beiträge wie diese hier dabei rauskommen.

Klar, ich verdiene ebenfalls mein Geld mit Werbung – auch auf Facebook. Auch für mich sind interessenbezogene Anzeigen wichtig. Man muss sich den Platzhirschen im Online Marketing anpassen, sonst erreicht man die Leute nicht. Sowohl durch den Umstieg weg von Gmail als auch die Bereinigung des Facebook-Profils habe ich zumindest kurzfristig das Gefühl, es den Konzernen nicht ganz so einfach zu machen und fühle mich einfach wieder ein wenig freier.

Letztlich ist das aber nur meine ganz persönliche (aktuelle) Meinung. Jeder sollte die Netzwerke so nutzen, wie es ihm persönlich gut tut. Eins ist aber wichtig, lasst euch nie zum Sklaven einer Plattform werden und denkt ab und zu mal drüber nach, wie ihr in 30 Jahren über die Sache denkt. Die wenigsten werden sagen: „Hätte ich doch noch ein paar mehr Kommentare auf Nachrichtenseiten verfasst und mehr „lustige“ Memes geteilt….“

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